Jonathan und die Weihnachtsbotschaft

Jonathan und die Weihnachtsbotschaft

Verena Radlingmayr © 2019, Text >als pdf

Jonathan streifte alleine durch das Gras, das fast so hoch war wie er. Manche der Gräser ragten sogar bis über seinen Kopf und dabei war Jonathan schon groß. Er war acht. Das Gras war einst grün gewesen, doch heute war es braun. Es erinnerte Jonathan an Schilf. Doch Gott sei Dank waren die Blätter der Gräser nicht scharf. Jonathan wusste, dass Schilfblätter so scharf waren wie ein Messer. Sie konnten zarte Kinderhände aufschneiden aber auch die rauen Hände der holzarbeitenden Männer. Das hatte er selbst einmal gesehen. 
Er schnaufte aus. Ihm war ein wenig langweilig. Alle seine Freunde waren verreist. Nur er war mit seinen Eltern und den älteren Einwohnern im Dorf zurückgeblieben. Da er keine Geschwister hatte, gab es auch niemanden, den er hätte ärgern können. Und es gab keinen Schnee, deshalb stand sein schöner, alter Holzschlitten traurig in der Garage. Der Holzschlitten hatte eine blau-rote Sitzfläche und war der schnellste von allen. Wann immer Jonathan mit dem Blitz – so nannte er seinen Schlitten – zum Hügel kam, wollten alle Kinder auch mit dem Schlitten fahren. Doch heute gab es keinen Schnee und keine Freunde. Es gab niemanden in dem Dorf, der auch nur annähernd so jung war wie Jonathan. Alle Kinder waren zu den Großeltern gefahren. Sein bester Freund Paul wurde auch von seinen Eltern an einen anderen Ort gebracht, einen, wo es keine Schneehügel gab, aber dafür weites Land und warme Sonne. Pauls Großeltern lebten dort seit  einigen Jahren. Und so begab es sich, dass Jonathan das einzige Kind in dem ganzen großen, kleinen Dorf war. 

Jonathans Großeltern wohnten bei seinen Eltern im Haus. Wie alle Kinder wusste auch Jonathan, dass jedes Kind vier Großeltern hatte: zwei waren Papas Eltern und zwei Mamas Eltern. Aber Jonathan kannte nur die zwei Großeltern, die bei ihm im Dachboden wohnten. Dort hatten sie eine gemütliche Wohnung, in der es warm und kuschelig war. Die Wohnung der Großeltern war immer wärmer als der Rest des Hauses und das warme honigfarbene Holz, mit dem die Wände vertäfelt waren, trug noch zum Wärmegefühl bei. Viele Abende saß er dort vor dem Kamin und lauschte seiner Oma, die im Schaukelstuhl saß und die spannendsten Geschichten erzählte. Sein Opa lehrte ihn zu schnitzen und wie man aus Holz die besten Pfeifen macht. Jonathan liebte es, bei seinen Großeltern zu sein. Aber heute hatte auch die Großeltern keine Zeit. Und irgendwas musste er tun. Morgen war schließlich Weihnachten und die zeit bis dahin sooooo lange. Obwohl es nur noch wenige Stunden waren, bis der 24. Dezember beginnen würde, schien es Jonathan, als wären noch 500 Jahre zwischen dem Jetzt und dem Christkind-Tag. Wann immer er auf die Uhr sah, waren nur zwei Minuten vorbei. Aber das konnte nicht sein. Jede Minute fühlte sich an wie Stunden. Vielleicht war die Uhr kaputt. Jonathan lauschte und hörte sie ticken. Nein, die Uhr war nicht kaputt. Es war ihm langweilig. Alles war lang, und langsam und öde. 

“Aber, aber, junger Mann. Wer wird denn so verzagen?” Jonathan blickte sich um. “Wer spricht denn hier?” sagte er laut, mehr zu sich selbst als zu jemand anderen und auch um sich zu beruhigen, denn ein Fremder hier im Dorf war ungewöhnlich. Es war ihm ein wenig unheimlich, dass hier jemand so mir nichts, dir nichts mit ihm sprach. 

Doch er war tatsächlich nicht allein. “Ein Leprechaun!” Jonathan hatte noch nie einen Leprechaun  persönlich kennengelernt. Doch die Bücher, die seine Oma ihm im heimeligen Dachzimmer vorlas, enthielten viele, viele Informationen über die feinen Völker. Der grüne Mantel und der Hut, die schweren Schuhe mit der silbernen Schnalle, der schmale Körper und die geringe Größe waren eindeutige Merkmale. 

Jonathan verneigte sich. “Guten Abend, Sire.” “Guten Abend, Jonathan! Wieso so trübselig heute?” “Ach, mir ist langweilig. Alle Kinder sind zu ihren Großeltern gefahren. Und bis zum Heiligen Abend ist noch so viel Zeit und es scheint, als würden die Stunden immer länger und länger.” “Das ist der typische Weihnachtsblues.” “Was ist das?” “Der Weihnachtsblues? Das ist der blaue Fleck, der sich über die Freude in Deinem Bauch legt und alles schwer und lang macht. Der Weihnachtsblues ist wie ein Gewicht, das auf Deine Stimmung drückt. Und das Lachen ganz ganz flach zusammendrückt.” “Habe nur ich diesen Weihnachtsblues?” “Nein, Jonathan, alle Kinder haben den.” “Auch die, die zur Oma gefahren sind?” fragte Jonathan ungläubig. “Ja, Jonathan, auch die Kinder, die heute nicht hier im Dorf, sondern irgendwo weit weg sind.” “Auch die Kinder, die Geschwister haben?” “Selbstverständlich, Jonathan, auch die Kinder, die Geschwister haben verspüren manchmal Langeweile oder Ungeduld.” Jonathan kickte mit dem Fuß einen Stein weg. Als er sich wieder umsah, war der Leprechaun verschwunden, doch er entdeckte einen kleinen Notizzettel an der Stelle, an der eben noch die Füße des Leprechauns waren. 

“Die Weihnachtsbotschaft” stand ganz oben auf dem Papier. Jonathan, der schon recht gut lesen konnte, las den gesamten Text:

“Wenn die Tiere sich zum Schlafen zurückziehen, wenn es Nacht wird im Jahr und kalt im Wald, feiern die Menschen ein besonderes Fest. Sie schmücken dazu das Haus, schmücken die Bäume und sogar den Stall für die Tiere. Frisch gewaschen und in schönen Gewändern erwarten sie die Ankunft des Lichts, des himmlischen Zaubers, der alles Leben wieder erweckt. Der Zauber zeigt sich für jeden Menschen unterschiedlich. Für manche ist es die Nächstenliebe, eine gute Tat, die man anderen selbstlos angedeihen läßt. Manche Kinder bringen schwachen oder älteren Personen in ihrer Nähe Kekse und warme Suppe, und verbreiten so die Weihnachtsbotschaft. Für manche Menschen beginnt zu Weihnachten ein neues Leben, weil ein Kind auf die Welt kommt. In allem, was wir geben, steckt die Weihnachtsbotschaft: die Freude zu schenken ist eben groß wie die Freude zu bekommen.”

Jonathan grübelte. Er hatte sich noch nicht viele Gedanken gemacht, was er anderen zu Weihnachten geben konnte. Er wartete immer nur darauf, dass das Christkind seine Geschenke brachte. Doch es schien ihm, als könnte das Christkind Unterstützung gebrauchen. Er eilte nach Hause. “Mama, darf ich etwas von der Suppe zu den Kranken und Alten im Dorf bringen?” “Das ist eine sehr gute Idee, Jonathan. Lass mich reichlich davon in Gläser füllen und dann gehen wir gemeinsam.” In der Zwischenzeit plünderte Jonathan seine Keksdose. Er hatte von seiner Oma eine riesengroße Schachtel voll mit Keksen bekommen, aber er wollte sie nicht mehr für sich alleine haben. Er machte viele kleine Kekspakete, indem er ein paar Kekse in Papier einschlug. Als er fertig war, ging er mit seinen Eltern gemeinsam durch das Dorf. Sein Vater half manchen Holz zu hacken oder das Feuer zu schüren, während Jonathan und seine Mutter das Essen austeilten. In jedem Haus und jedem Menschen merkte Jonathan etwas Besonderes: es wurde Licht. Das Haus wurde heller durch die schiere Freude über den Besuch und ein Leuchten kehrte in die Augen der Beschenkten zurück. 

Als er nach Hause kam, war Jonathan viel zu müde, um noch an das Christkind zu denken. 

Am nächsten Morgen, dem 24. Dezember, erwachte er und bat seine Mutter, auch die restlichen Dorfbewohner besuchen zu dürfen. “Geht ihr Männer nur alleine,” sagte seine Mutter und lächelte geheimnisvoll. Jonathan wusste, dass seine Mama immer sehr gutes Essen für den Weihnachtsabend zubereitete und dass das viel ihrer Zeit in Anspruch nahm. 

Es wurde schon dunkel, als er und sein Vater wieder nach Hause kamen. Jonathan war aufgeregt und glücklich. Es war ein wunderschöner Tag gewesen. All diese Menschen hatten sich so gefreut! In seinem Zimmer wollte er nur kurz auf seinem Bett ausrasten, bevor er endlich, Endich nach unten gehen und hoffentlich das Christkind sehen würde. Doch der anstrengende Tag holte ihn ein. Jonathan fiel in einen tiefen Schlaf. 

Im Traum traf er den Leprechaun wieder. “Guten Tag, Jonathan. Wie war dein Weihnachtsfest?” “Guten Tag!” Jonathan erzählte voll der Freude von all den Menschen und wie froh sie waren, dass er und seine Eltern sie besucht hatten. “Und was ist mit Dir und Deinen Geschenken?” Das hatte Jonathan ganz vergessen. In all der Aufregung hatte er vergessen, wie hart er darauf gewartet hatte, dass die Zeit vergeht. Er hatte vergessen ungeduldig zu sein und sich zu langweilen. Der Leprechaun stupste ihn sanft an die Nase. “Ich bin sicher, das Christkind hat Dich nicht vergessen!”

Als Jonathan aufwachte, wurde es bereits wieder hell. Er hatte Weihnachten verschlafen! Hoffentlich gab es ich etwas von dem leckeren Essen. Und hoffentlich, so betete Jonathan, Gabe es auch ein Geschenk für ihn unter dem Weihnachtsbaum. 

Doch zu seiner Überraschung fand sich ein Geschenk auf seinem Bett. Jonathan öffnete es vorsichtig. Eine Flöte! Jonathan wusste, mit Musik und seiner Flöte würde er nie mehr alleine sein. Das war für ihn das schönste Geschenk von allen.

7 Jahresschritte und Prüfstein der Herzen

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Weihnachten steht vor der Türe und mit diesem Fest, der Rückkehr des Lichts, erinnern wir uns der Liebe, den Herzensqualitäten, die wir an diesem Tag feiern. Und weil 2020 ein so wesentliches Jahr wird, mit Veränderungen, die uns erschüttern, wenn wir sie nicht im Herzen erfassen, ist es ideal, das Herz zu prüfen. Denn das Herz, das wir alle so sehr wünschen und ersehenen, in dem die Hoffnung, die Nächstenliebe, der Schlüssel zum Glück liegen, hat – wie alles im Leben – auch eine andere Seite: zu viel Liebe kann erdrücken, kalte Herzen können töten, und auch Haß, die tödlichste Energie von allen, ist im Herzen beheimatet. Aber nicht als Gegenteil der Liebe, denn das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit.

Jedes Herz, so lichtvoll es ist, ist auch zur Dunkelheit fähig. Und mit diesen Gedanken im Herzen und im Kopf machen wir heute eine Zeitreise, zurück ins Jahr 2013, wo der Prozess der Herzen begann, wo mit dem kollektivbewusstem Individuum der Grundstein gelegt wurde. Spüren Sie die Brücke, die sich nun von dort zum Herzensjahr 2020 spannt, zu dem, wo all die Jahre seither und all die Ereignisse und Prüfungen eins werden und eingehen in ein neues Verständnis.

In den Herzen der Menschen schlummern Begreifen, Verstehen, Fürsorge, Wärme, und Akzeptanz. Diese Eigenschaften braucht es, weil große Ereignisse sich ankündigen. Deswegen ist es nun Zeit, Altes Revue passieren zu lassen und Neues aus dem Herzen wachsen und gedeihen zu lassen. 

2013: Selbst- und kollektivbewusst

2013 markierte den Beginn einer Wandlungsphase. In dem >>Gildenblog-Artikel aus diesem Jahr beschreibe ich unter anderem ein neues Individuum, das aus der Synthese zweier Gegensätze entstand. 

Synthese ist ein Begriff aus der Dialektik und taucht erstmals bei den Griechen auf. Es geht bei der Synthese zB darum aus These (Frage) und Antithese (Antwort) ein eigenes Weltbild zu konstruieren. Ich sage etwas, Du sagst etwas und daraus entsteht etwas Neues, Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Seit 2013 bedeutet Synthese den Zusammenschluss scheinbar konträrer Welten zu einem neuen Ganzen, das uns an die Grenzen und weit darüber hinaus bringt:

  • Materie und Fantasie
  • Hirn und Gefühl
  • Geld und Persönlichkeit
  • Innen und Außen

Die Herzensqualität der Selbstannahme war ebenso Aufgabe dieses Jahres wie die Nächstenliebe. Die Lernaufgabe aus 2013 war, sich als Teil des Ganzen zu sehen, und so die Erde zu retten. Wer sich seiner Selbst und auch des Kollektivs bewusst ist, wählt seine Taten, Worte, und auch seine Unterlassungen, weise und mit Bedacht. 

Aussterbende Tierarten, Verschmutzung, Rodung – all das ist nicht vorbei und doch hätten wir bereits 2013 lernen sollen, wie es besser geht. Nur wer erkennt, dass kein Mensch eine Insel ist, dass es kein Handeln ohne Auswirkung gibt, nur wer das tief in sich begreift und versteht, wird sich selbstverständlich ändern. Und kann so ein Vorbild sein für die Kinder der neuen Zeit, denen ihr Planet am Herzen liegt. Kinder sind sich der Einheit von Mensch-Erde-Natur-All sehr wohl bewusst. Nie zuvor gab es eine Generation, der das Schicksal der Welt so wichtig war wie dieser, so wichtig wie ihr eigenes. 

Eigentlich. Denn der Gesellschaftsdruck ist so hoch, dass Kinder oft daran zerbrechen. Viele Kinder und Jugendliche sind frustriert. Viele sind so hoffnungslos, dass sie sich in Verzweiflungstaten stürzen. Andere versuchen mit aller Gewalt zu unterdrücken, was sie sind, um irgendwie bestehen zu können. Sie negieren ihre eigene Wahrnehmung um jeden Preis und mit allen Mitteln. Während wir und Generationen vor uns noch froh waren uns die Erde Untertan zu machen, verzweifelt diese Generation an dem Drama, das wir ihr überlassen. Sie ist selbst- und kollektivbewusst und kann das eine vom anderen nich trennen.

Wie auch? Wer fähig ist zu sehen, der ist fähig zu verstehen, dass diese Welt unser Nährboden ist. Wer fähig ist zu sehen und nicht die Augen verschließt, wird es sich nicht nehmen lassen, den Müll ordentlich zu trennen, das Auto auch einmal stehen zu lassen, Wasser zu sparen. Weil er weiß, dass Mensch und Erde eine Symbiose bilden. Und während die Erde gut ohne uns kann, können wir nicht ohne sie. 

Ja, 2013 hat eine neue Ära eingeläutet. Doch mit 2013 war erst ein erster, vorsichtiger Schritt getan. Weil es ein evolutionäres Ziel gibt, einen Polsprung in der Menschheitsentwicklung, ist es notwendig, den Menschen darauf vorzubereiten. Körper, Geist, Seele und Energiesystem müssen angepasst werden. Das Ziel, der Homo cogens, vereint in sich so viele Kräfte, dass er übernatürlich scheint. Kräfte, die er nur kontrollieren kann, wenn alles passt. Innen, Außen, Körper und Feinstoffliches. 

Die Folgejahre

Auch die Jahre danach waren hart, lehrreich und intensiv. Wie jeder Changeprozess ist auch dieser ein ständiges Auf und Ab. 
Jedes Jahr brachte eine oder mehrere Aufgaben, alle mit dem Ziel den Wandel zu ermöglichen.

2014 war das Saturnjahr, für mehr Struktur und Klarheit. 2015 bot Lernwilligen die Chance auf Neuorientierung, und brachte den Zusammenbruch alter Pfründe. Im nächsten Jahr, 2016, sollten Entscheidungsfreude, Aktivität, Neuanfänge, Initiative und Mut entwickelt werden. Und zwar so, wie sie für das Ziel, den Homo cogens, ideal sind. 2017 sollten wir alte Muster ablegen, viele Konflikte lösen, die Sonnenfinsternis meistern. 2018 folgten Entlarvungen und diese zeigten uns, dass es sich nicht tlohnt, Dinge unter den Teppich zu kehren. Auch nicht unsere eigenen Schwächen.  

Und heuer wurde alles, alles, alles durchgerüttelt, aufgewühlt und neu sortiert.Dass 2019 kein einfaches Jahr war, wissen Sie aus eigener Erfahrung. Die Welt hat jeden einzelnen auf die Probe gestellt und sich angesehen, wofür er steht und was er aushält. Es floss nicht nur mehr Energie, sie floss auch in neuen Kanälen. Denn die Entwicklung zum selbst- und kollektivbewussten Individuum ist noch nicht abgeschlossen. Ganz im Gegenteil, es kommen neue Faktoren hinzu. Die Wahrnehmung von sich Selbst in einem verbundenen System geschieht unter anderem über das elfte Chakra. In diesem Chakra sind zusätzlich auch jene Talente und Fähigkeiten angelegt, die uns erlauben über die menschlichen Grenzen hinaus zu agieren. Es sind dies die Kräfte, die Phänomene wie “The Secret” oder “Becoming Supernatural” von Joe Dispenza erklären. In den beiden Beispielen geht es darum, sich mittels Vorstellungskraft ein Leben zu erschaffen, das besser, schöner, lebendiger ist bzw über sich hinaus zu wachsen und etwas zu tun, das übernatürlich ist. Der Geist schafft Materie. Das ist möglich, und zwar nicht für wenige, sondern für alle. 

Deswegen waren die vergangenen Jahre so wichtig. Weil diese Fähigkeiten langsam aber sicher in allen reifen, hatten wir alle viel zu lernen. Mut, Zusammenhalt, Charakterstärke, Durchhaltevermögen. Und nun stehen wir da, ein bißchen durchgerüttelt, ein bißchen atemlos, doch die Reise geht weiter. 

Das neue Ich

Nun spüren Sie die Verbundenheit. Nun haben Sie die Größe aus dem Herzen zu verstehen. Jeden anzunehmen, wie er ist, ganz egal wie groß, klein grün, oder sonstwas. Sie haben nun die Maßstäbe gesetzt, die Ihnen wichtig sind und dürfen nun alles daran setzen Ihr Ziel zu erreichen. Sie wissen nun, was in Ihrem Herzen ist, was Ihnen ein Bedürfnis ist und haben gelernt, Greten zu setzen und anzuerkennen. 

Und so tritt jetzt, nach sieben Jahren, die Erneuerung ein. 7 Jahre, die all unsere Energiezentren geprüft und verändert, alles aufgewühlt haben und keinen Stein auf dem anderen ließen, sind nun vorbei und es wird Zeit, das neue vollkommen entstehen zu lassen. Die neue Ordnung wird erst langsam entstehen, da die Welt sich auf neue Gegebenheiten, das Normale im Übernatürlichen, einstellen muss. Wir werden wieder lernen, wie Kommunikation abseits der digitalen Medien funktioniert. Wir werden verstehen warum die Entwicklung von Anstand und Feingefühl so wichtig war. wir werden begreifen, warum die Klarheit in und über uns selbst so essentiell ist. Wir werden verstehen, was die Wahrheit in alten Ikonenmalereien ist und sehen, was bisher verborgen war. All das erfordert Individuen, die sich selbst kennen, die im Kollektiv nicht verloren gehen wie Schafe, sondern aufrecht stehen und anständig agieren. 

Es folgt ein Prüfstein für die Herzen, weil Selbstannahme, Liebe, Wärme, Herzlichkeit, Fürsorge und Verletzlichkeit ein Maß an Nächstenliebe bringen, das angesichts der aufziehenden Macht notwendig ist. Langsam lösen sich die Grenzen von Raum und Zeit und jeder Mensch entdeckt in sich einen Funken der Göttlichkeit: vergeben, liebe, erschaffen mächtig sein, all das braucht ein Herz, das zur rechten Zeit den rechten Schritt setzt. 

Und so schließt sich der Kreis: ein starkes Individuum wird sich weder bedroht fühlen noch sich unterwerfen, es wird nicht anführen, sondern lenken und wird anderen nicht mit Haß, Neid und Eifersucht begegnen, sondern mit Feuereifer die Welt erschaffen, die das eigene Herz zum Singen bringt. Und diese Welt kann nur eine gute sein, denn das Gute ist in uns angelegt. Doch dazu ein anderes Mal mehr. 

Derzeit hilft es, sich sachlich einen Überblick über die Neuerungen zu verschaffen. Es gibt dazu viele gute Bücher, sogar schon für Kinder, dazu zählt im Übrigen auch Schilda, die Glücksschildkröte. 

Kollektivbewusstsein vs. Individualität

Beraterkonzepte, Horoskope, Persönlichkeitsprofile oder systemische Ansätze, sie alle kommen aus einer Zeit, in der Verstand, Erfahrungswerte und Fakten über alles gestellt wurden. Es sind dies Konzepte und Hilfestellungen, die uns helfen sollen, rasch Entscheidungen zu treffen und dabei auf der sicheren Seite zu sein.

Sie alle haben ihre Berechtigung. Um den Anforderungen heute auch weiterhin gerecht werden zu können, bedarf es in den Entscheidungsmodellen eines weiteren Faktors: der Individuellen Kapazität.

Wozu dienen Modelle, Lösungen und psychologische Kategorien?

Der menschliche Verstand wird täglich von so vielen Eindrücke bombardiert, dass dies seine Aufnahmefähigkeit bei weitem übersteigert. Um effizient und handlungsfähig zu bleiben, schaffen wir Ordnung im Kopf. Diese Ordnung wird hergestellt, indem man Eindrücke, Menschen und Erfahrungen Kategorien zuteilt. Das erlaubt uns, rasch und effizient eine Beurteilung zu treffen. In ihrer negativen Ausprägung kenne wir sie als Vorurteile oder Stereotype. Diese sind für die nachfolgenden Ausführungen aber nicht relevant.

Modelle und Kategorien definieren einen Handlungsspielraum oder einen Möglichkeit, eine Person, Lage oder Herausforderung einzuschätzen und zu bewerten. Mangels Fakten und Erfahrungswerten stützen wir uns auf standardisierte Kriterien, um überhaupt befähigt zu sein eine Entscheidung zu treffen.

Kategorien im Beruf und Alltag

Ohne Kategorien gibt es keine Entscheidung. Es ist uns nicht möglich, so scheint es, von Standardprozessen und Denkmodellen abzuweichen.

Stellenausschreibungen sind ein sehr gutes Beispiel für den Versuch, das Unbekannte zu benennen. Der Person, die wir suchen, wird durch eine Reihe von Standardeigenschaften Kontur gegeben. Wie auch sonst sollten wir mit der Suche beginnen?

Im beruflichen Zusammenspiel bewerten wir Kollegen nach ihrem Beruf – so wissen wir, mit wem wir es zu tun haben, ohne den Menschen schon zu kennen. Vom Beruf auf den Menschen zu schließen, erlaubt uns soziale Interaktion, gibt uns eine gewisse Sicherheit, wir möchten Risiken ja so weit als möglich minimieren.

Privat kennen wir zusätzliche Modelle, etwa das von Horoskopen, das uns eine Einschätzung der Person gibt.

Viel Wissen zu diesen Themen stammt aus einer Ära, in der Verstand über alles gestellt wurde. Management nach Zahlen. Erfolg anhand von MBO-Kriterien. Erfolg als Summe auf dem Gehaltsscheck.

Wandel?

Veränderung ist ein ständiger Bestandteil menschlicher Entwicklung. Dachten wir einst, die Erde sei eine Scheibe und die Sonne würde sich um uns drehen, wissen wir heute vieles besser. Was wir heute wissen, ist ebenso flüchtig und vergänglich wie das Wissen unserer Vorfahren. Wurde Ihnen noch beigebracht, wie ein Atom aussieht? Dass es sich dabei um den kleinsten Baustein handelt? Wurde Ihnen vermittelt, dass wir mit der Entschlüsselung der menschlichen DNS am Ziel angekommen, alles verstehen und alle Krankheiten würden heilen können?

Heute wissen wir mehr, kennen zusätzliche Teilchen. Forscher haben entdeckt, dass die DNS alleine zu wenig aussagekräftig ist und stießen durch ihre Forschung auf die Epigenetik, die Software oder den sogenannten zweiten Code.

Gesichert ist also, dass Wissen nur eine Momentaufnahme ist. Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Gesichert ist weiters, dass in Laufe der Menschheitsgeschichte das Pendel in verschiedene Richtungen ausschlägt. Hippie – Yuppie. Verstand – Gefühl. Wissen – Vermutung. These – Antithese.

Synthese

Kein ernstzunehmender Manager wird heute noch von sich behaupten, allein auf der Basis von Zahlen zu entscheiden. Er greift auf seine Erfahrungswerte zurück. Banker haben den richtigen Riecher und Frauen wird erlaubt, beruflich auf ihre Intuition zurückzugreifen. Weiblicher Führungsstil wird dabei gerne als Symbol für empathische Modelle ohne Alleinherrscheranspruch verwendet.

Kommen wir auf das Beispiel mit der Stellenanzeige zurück. Wir suchen etwas und bekommen jemanden. Wir wollen Zuverlässigkeit, eine bestimmte Ausbildung und ein Mindestmaß an Erfahrung in der richtigen Branche.

Doch was wir bekommen, geht über den Standardanteil hinaus. Der Mensch ist mehr als die Stellenanzeige. Dass wir uns für einen Kandidaten entscheiden, hängt nicht nur von der Fachkompetenz ab, sondern auch von nicht meßbaren Kriterien wie dem ersten Eindruck, der Sympathie und der Idee, die wir von der Person haben.

Individualität ist Menschen immer wichtiger. Weshalb wohl arbeiten Firmen an ihrem Image? Bemühen sich, mehr zu bieten als Geld und einen Arbeitsplatz? Wieso entscheiden sich Best-Performer oft für das Unternehmen, das weniger zahlt, aber „grüner“ ist, familienfreundlicher oder das, mit dem sie sich optimal identifizieren können.

Weil aktuell aus dem Hippe und dem Yuppie eine Synthese erfolgt, das selbst- und kollektivbewusste Individuum.

Individualität als entscheidender Faktor

Bewährte Modelle müssen diesen neuen Faktor berücksichtigen – egal ob im Beraterwesen, der Medizin, den Schulen. Individualität wie oben definiert macht vor keinem Bereich halt.
Touristiker finden sich mit einem gänzlich neuen Gast konfrontiert, Ärzte mit Patienten, die nicht einstellbar sind, Berater mit Unternehmen die trotz der besten Modelle nicht genesen.
Wir müssen die bewährten Modelle nicht verwerfen. Sie dienen weiterhin als Richtwert – allerdings muss der Berater heute die Ergebnisse der Erstbeurteilung einer Evaluierung unterziehen, die auf seinen Erfahrungswerten, seiner Einschätzung und seinem Weitblick beruhen.

Es braucht

  • Abstand
  • eine übergeordnete Sicht der Dinge und
  • ein Verständnis für natürliche Prozesse.

Die Erkenntnisse, die der Verstand liefert, müssen als Entscheidungsgrundlage genauso herangezogen werden, wie die intuitive Erfassung der Gesamtsitutaion. Je besser mein Wissen und mein Gefühl, desto weiter mein Handlungspotential.
Die Meßbarkeit der intuitiven Seite ist erst am Anfang. Nichtsdestotrotz hat jeder von uns schon Erfahrungswerte dahingehend gesammelt. Ein Mitarbeiter, der eingestellt wurde, obwohl die Fachkompetenz nur die zweitbeste war und sich als unschätzbar wertvoll erwies. Ein Gespräch, in dem wir unsere Taktik geändert und so den Erfolg gelandet haben. Der Hausverstand der uns warnt, dass das doch zu abgehoben ist, was ein vermeintlicher Heiler verspricht. Doch die Entwicklung zu verleugnen wäre sich gegen einen Prozess zu stellen, die ebenso wenig aufhaltbar ist wie das Wissen, dass die Erde um die Sonne kreist.

Graz, im Dezember 2013

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Die Begriffe „selbst- und kollektivbewusstes Individuum“ „Wissen ist eine Momentaufnahme“ sowie die Erkenntnisse in diesem Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Veröffentlich und Verbreitung nur im Rahmen des privaten Gebrauchs oder in Form von Zitaten. Alle Rechte: Dr. Verena Radlingmayr